Antworten auf drei Fragezeichen
Bericht zum Regionalmeeting Süd November 2011

Was ist der Quran? Was sind die Wunder des Quran? Was für eine Beziehung habe ich zum Quran?

Diese drei Fragezeichen wurden während des diesjährigen Regionalmeetings in Frankfurt in wundervollen Vorträgen und Geschichten thematisiert. Aber nicht nur das Geplante, sondern auch die Überraschungen, welche dieser Abend für alle bereithielt, waren wundervoll.

 

Der 27. November war ein Tag voller Wunder, oder anders ausgedrückt: an diesem Tag fiel mir auf, wie viele Wunder ich eigentlich jeden Tag nicht wahrnehme, weil ich es eilig habe, noch an all die Sachen denke, die ich noch erledigen muss und, und, und…

 

Mein erstes Wunder war es, überhaupt beim Regionalen Meeting dabei gewesen zu sein. Noch am Vorabend war alles offen, ich hatte immer noch keine Mitfahrgelegenheit und hatte schon fast alle Hoffnung verloren, als ich eine SMS erhielt, welche mir einen Platz in einem Auto versicherte.

 

Am Morgen des Meetings verschlief ich; drei Wecker hatten es nicht geschafft mich aufzuwecken, aber ich hatte es, oh Wunder, noch zur Bahn und von dort aus zum Auto geschafft. Keine Staus und keine Blitzer. Themen während der Autofahrt: der Arabische Frühling, vor allem Syrien, Türkei; dann Familie, Freunde… Gott und die Welt eben. Das Wunder hieran: Naja, fast jedes Wort, oder zumindest das, was  dahinter steckt, ist ein Wunder für sich.

 

Als wir ankamen, erwartete uns einer der schönsten Momente: das Wiedersehen. Altbekannte Gesichter, Umarmungen, Freude, Wohlbefinden, neue Bekanntschaften, neue Freude, größere, stärkere Ummahdas Volk; die Nation; die Gemeinde; die weltweite Gemeinschaft der Muslime. Ja, das Ummah-Gefühl. Es ist wohl eines der größten Wunder des Islamwörtlich: „heil sein“, „unversehrt sein“, „Unterwerfung“, „Gottergebenheit“; die Ergebung in Gottes Willen; die Bezeichnung der von Gott für den Menschen vorgesehenen Lebensweise der friedvollen Hingabe. Es schenkt dem Einzelnen so viel: Liebe, Motivation für intensiveres Streben nach Allah, Bewusstsein, Freude, Glück, es erinnert und lässt nachdenken, bereuen und wieder aufstehen. Ist das nicht Wunder genug? 

 

Nach und nach wurden wir immer mehr und schließlich durfte ein Bruder anfangen den Quran zu rezitieren. Das beruhigte uns alle etwas von der Anfangseuphorie des Wiedersehens, und nach einer kleinen, aber feinen Begrüßung beehrte uns Bruder Saif mit einem Vortrag über die Wunder im Quran.

 

Was ich noch darüber weiß? – Der Quran ist kein wissenschaftliches oder geschichtliches Buch. Beides ist im Quran enthalten, aber wenn wir nach Wundern im Quran suchen, sollten das keine Aussagen sein, welche wissenschaftlich gedeutet werden können und uns zeigen, dass der Quran damals schon so viel mehr wusste. Das sind die kleinen, vielleicht auch die kleinsten Wunder. Viel größere Wunder sind z.B. die Einheit von Mensch und Quran, die Vielschichtigkeit des Quran, die Moral des Quran und meiner Meinung nach das größte Wunder: Der Quran als ein Liebesbrief Allahs an uns Menschen, global, aber auch individuell. Diesen Brief lesen, deuten, interpretieren, „laut nachdenken“: d.h. mit anderen diskutieren oder auch anderen zu erzählen - das hat uns Bruder Saif ans Herz gelegt.

 

Nach dem Gebet und einer MJD-Vorstellung knurrten die Mägen und dank der guten Planung bekamen alle etwas zu essen: Pide, Salat, Kuchen, Waffeln, Kaffee, Tee, aber vor allem sehr schön anzuschauen waren die Popcorn- und Zuckerwattemaschinen. Es hatte etwas Nostalgisches und erinnerte an einen Rummelplatz.

 

Der Quran und ich“- so lautete die Überschrift des Vortrags, mit dem uns Schwester Asmaa  zum Nachdenken brachte. Wir durften ein paar kurze, aber mitreißende Erlebnisse, welche Geschwister mit dem Quran erlebten, anhören. Es waren Wunder, und wir durften an diesen Wundern teilhaben. Schwester Asmaa erteilte uns auch einige Lektionen, oder anders gesagt: sie hat all unsere Ausreden, den Quran nicht zu lesen, zunichte gemacht. Hinter mir saßen zwei Schwestern, und ich hörte wie die eine sagte: „Mist, jetzt habe ich keine Ausreden mehr…“. Das war natürlich ein Witz, aber jeder Witz enthält auch ein Fünkchen Wahrheit. Ich fühlte ein sehr starkes Bedürfnis den Quran aufzuschlagen und ihn in meine Seele einströmen zu lassen, wie reinigendes Wasser sollte es auch mich von allem Schmutz befreien.

 

Der Bunte Abend lief zwar nicht wie erwartet, war aber dennoch sehr schön. Nachdem technische Schwierigkeiten sich nicht überwinden ließen und Bruder Junus uns dadurch seine Lieder leider nicht präsentieren konnte, waren die Theaterstücke zum Glück sehr gelungen und amüsant. Sie waren kurz, aber belehrend.

 

Der Stuttgarter LK ersteigerte ein schönes, dreiteiliges Bild für eine ordentliche Summe, welche natürlich dem Zweck des Spendens diente. Das Schönste allerdings am Bunten Abend waren die Kinder: da die Brüder leider nur sehr spärlich vertreten waren, gab es natürlich auch keinen so starken Chor, welcher auf Tekbir oder Wahidu antworten konnte. Doch dies übernahmen die Kinder sehr gerne und schrien förmlich auf die Frage Tekbir: Allahuakbar! Ganz überzeugt von sich selbst taten sie dies dreimal. Und als es dann schließlich Wahidu hieß, war es mucksmäuschen still. So viel hatten die Kinder also noch nicht gelernt in der Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen, aber süß war es trotzdem die erstaunten, beschämten, fragenden und lächelnden Gesichter der Kinder zu sehen.

 

Der Abend verlief sich dann nach dem gemeinsamen Gebet. Der Abschied stand an, Trauer, aber auch Freude über den schönen, gemeinsamen Tag und Vorfreude auf das nächste Mal stand den Geschwistern und natürlich auch mir ins Gesicht geschrieben.

Der Tag war schön und inschaAllahwörtlich: wenn Allah will; solange Allah zulässt; wenn man etwas zu tun beabsichtigt oder jemandem etwas verspricht, soll noch „inschâallâh“ hinzugefügt werden auch segensreich. Ich nahm mir vor, sobald ich zu Hause ankommen würde, Quran zu lesen und jeden Tag dankend als ein Wunder anzuerkennen.

 

Denn ein Wunder ist wie ein Geschenk;, es muss nichts Großes oder Teures sein, damit wir es annehmen, meistens sind die kleinen, unerwarteten Geschenke die schönsten.

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