Müde und erschöpft von der Fahrt war es eine Freude, dass am ersten Abend noch kein richtiges Programm war, sondern Teestunde mit Kuchen, Chips und viel fröhlichem Gelächter. Das Schnattern der Schwestern erfüllte den Raum der Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen, welcher für die Frauen bestimmt war. Im gemütlichen Miteinander war keiner allein, Fremde wurden schnell zu Freunden mit hunderten Themen zum Unterhalten. Als alle da waren, folgte eine Kennenlernrunde auf gemütlichen Kissen und die Aufgabenverteilung.
Als es später wurde, schloss das gemeinsame Gebet den Abend ab und die Schwestern legten sich zur Ruhe, auf kleinen Matratzen und in molligen Schlafsäcken. Am nächsten Morgen ging es richtig los. Erst stand das Gebet auf dem Programm, danach folgte eine Quranrunde mit Mathurat (Bittegebeten) und schließlich noch eine Mütze voll Schlaf. Dann bereiteten die zugeteilten Schwestern das Frühstück vor, und sobald dies beendet war, folgte eine weitere Kennenlernrunde, in der die verschiedenen Schwestern richtig zusammenfanden. An dieser Stelle bittet die Autorin um Entschuldigung, da sie wegen ihres Kurzzeitgedächtnisses den Ablauf der Programmpunkte nicht mehr korrekt im Kopf hat.
Die folgenden zwei Tage bestanden aus dem vertrauten Miteinander, vielen Kennenlernrunden, und obwohl es erst der Schnupperkurs war erfuhren viele der Schwestern neue Dinge. Es wurden einige intensive Gespräche geführt, einige Suren des Qurans wurden ein wenig auseinandergenommen und erklärt, das gemeinsame Gebet schenkte Ruhe und Gelassenheit. Auf eine unerklärlich wunderbare Art und Weise kamen keine Verzögerungen, geschweige denn ungeduldiges Warten zustande, der Zeitplan wurde eingehalten. Die Schwestern hörten Vorträge über die MJD, ihre Aufgaben, ihre ganze Existenz. Es wurde besprochen, wie die zukünftigen Kurse aussehen würden - nämlich zum Teil nach einer Vermittlung an Wissen. Der Islamwörtlich: „heil sein“, „unversehrt sein“, „Unterwerfung“, „Gottergebenheit“; die Ergebung in Gottes Willen; die Bezeichnung der von Gott für den Menschen vorgesehenen Lebensweise der friedvollen Hingabe sollte den Schwestern näher gebracht werden, man würde Fragen stellen und gemeinsam Antworten suchen. Die Schwestern waren ausgelassen, lachten viel, konnten aber auch ernste Momente herbeiführen, gespickt mit wässrigen Augen, weil man sich zu Hause fühlte.
Allah (t) umgab die vereinigten Schwestern, und besonders die Traumreise rief in jeder traumhafte Gefühle hervor. Man hielt sich an den Händen und registrierte, dass man nicht alleine war. Hier war alles voll von Menschen, die so dachten wie du und mit dir diesen Weg gehen wollten.
Natürlich blieb auch eine Besichtigung der wunderbaren Stadt Hanau nicht aus, die Mädchen tankten frische Luft und Energie. Der Vortag "Nutze deine Jugend" motivierte die Schwestern, es wurden Fragen in den Raum geworfen, die Jede für sich selbst beantworten sollte. Fragen wie: „Was ist dein Ziel? Warum wurdest du erschaffen? Warum hat Allah(t) für DICH ausgesucht in Deutschland zu leben?“ und einige mehr. Die Schwestern wurden zum Nachdenken angeregt. Auch ein Erwartungsbaum blieb nicht aus, die Schwestern setzen sich in Gruppen zusammen und schrieben ihre Gedanken auf, die zum Großteil aus Imanstärkung und viel Spaß bestanden - ohne Zweifel, dass der Kurs ein Erfolg werden würde.
Am Ende des Wochenendes wurden Telefonnummern ausgetauscht, warme Abschiedsworte ausgetauscht und man lag Schwestern in den Armen, die man vorher noch nie gesehen hatte. Mit frohen Erwartungen, die den immer noch stehenden Erwartungsbaum schmückten, und mit Vorfreude auf den Beginn des ersten Kurses, machten die Schwestern sich am letzten Tag von Dannen, winkend und mit einem Lächeln im Gesicht.



