Enorme Potentiale und Talente!
Interview: Juniorclub mit Hatun

Bekanntlich ist die MJD gedacht für Jugendliche zwischen 13 und 30 Jahren. Es ist aber auch offensichtlich, dass viele Jüngere auch bereits Potential haben, das gefördert werden sollte, oder aber es kaum erwarten können 13 und MJD-Mitglied zu werden. Aus diesem Grund hat die MJD nun begonnen auch die Jüngeren durch Freizeit- und Wissensangebote - dem Junioclub - zu fördern. Schwester Hatun, die Teil des Juniorclub-Teams ist, erzählt hier über Hintergründe und Erfahrungen.

 

 Redaktion:Wie ist die Idee des Junior-Clubs entstanden und wie sieht sie aus?

Hatun: Ursprünglich kam die Idee von Schwester Rajaa, die sich einmal jährlich ein JuniorClub-Treffen oder Freizeittreff für Mädchen bzw. Jungen überlegt hatte. Das hat letztes Jahr einmal in Köln stattgefunden und war sehr erfolgreich, weshalb wir planten, das auch dieses Jahr im Sommer noch einmal anzubieten - diesmal aber in lokaler Form, d.h., dass verschiedene Städte ihren eigenen JuniorClub im Alter von acht bis zwölf haben sollten. Ziel des JuniorClubs ist es, muslimische Kinder schon frühzeitig an die MJD heranzuführen und in Basisthemen des Islamwörtlich: „heil sein“, „unversehrt sein“, „Unterwerfung“, „Gottergebenheit“; die Ergebung in Gottes Willen; die Bezeichnung der von Gott für den Menschen vorgesehenen Lebensweise der friedvollen Hingabe einzuführen und ihnen zu helfen, schon früh eine Verbindung zu Allah aufzubauen.

 

 Red.:  Was ist konkret für den Juniorclub geplant?

 Hatun: Wir planen bisher alle zwei bis drei Monate mit den Kindern ein Wochenende in der Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen zu übernachten. Diese Wochenenden stehen jeweils unter bestimmten Motti, deren Thematik wir mit den jungen Muslimen spielerisch und durch Gruppenarbeiten erarbeiten. Dazu schaffen wir islamische Atmosphäre durch gemeinsame Gebete etc., aber haben auch entsprechenden Freizeitausgleich. Es gibt in vielen Städten MJDler, die schon in der Arbeit mit Kindern aktiv waren, aber nun bietet die MJD das durch den JuniorClub als einzelnen Berich an.

 Red.:  Wie sah die Arbeit im Vorfeld aus?

 Hatun: Wir haben etwa zwei Wochen vor dem ersten Treffen einen Infotag für die Eltern veranstaltet, bei dem wir die MJD an sich vorgestellt haben und dann spezifisch auch den JuniorClub - was wir planen, wie die Idee aussieht usw. Dort gab es für die Eltern auch direkt die Möglichkeit, ihre Kinder anzumelden. Der Andrang war sehr groß, viel größer als erwartet. Wir hatten eigentlich nicht vor, mehr als 20 Teilnehmer aufzunehmen, aber wir hatten fast die doppelte Anzahl an Anmeldungen, sodass viele auf die Warteliste mussten. Es ist also ganz eindeutig viel Bedarf da, nur leider nicht so viele Betreuer, gerade auf Brüderseite, was sich inschaAllahwörtlich: wenn Allah will; solange Allah zulässt; wenn man etwas zu tun beabsichtigt oder jemandem etwas verspricht, soll noch „inschâallâh“ hinzugefügt werden noch ändern wird.

Bei dem Gespräch mit den Eltern haben wir festgestellt, dass die Eltern den Kindern den Islam zwar gern nahebringen möchten, aber manchmal nicht wirklich wissen, wie. Hier sehen wir die Chance und die Notwendigkeit, den Eltern unter die Arme zu greifen.

 

 Red.:  Was ist bisher schon geschehen?

 Hatun: Abgesehen von dem Treffen im letzten Jahr hatten wir jetzt in Hannover das erste Mottowochenende: Freundschaft.

 Red.:  Wie ist das letzte Wochenende abgelaufen?

 Hatun: Sehr erfolgreich, alhamdulillah. Das Programm wurde von den Kindern viel besser aufgenommen, als wir dachten. Insgesamt lief das Wochenende sehr harmonisch ab. Die Betreuer konnten mit den Teilnehmern sofort eine Art Freundschaft aufbauen, wir hatten also eine wirklich schöne Atmosphäre. Auch die Kinder, die sich zuerst ein bisschen abgekapselt haben, konnten wir schnell gut in die Gruppe integrieren. Alle hatten trotz des vielen Inhalte viel Gelegenheit selbst zu diskutieren und aktiv dabei zu sein. Befürchtungen wie Kinder, die Heimweh bekommen oder nicht in der Moschee schlafen wollen haben sich alhamdulillah gar  nicht bewahrheitet.

Bei dem Treffen haben wir gemerkt, wie viel Interesse und wie viel Notwendigkeit für solche Treffen da ist. Die Kinder sind auf sehr verschiedenen Levels, was das Wissen über unseren Schöpfer betrifft, aber gleichermaßen interessiert und motiviert zu lernen.

 Red.:  Wie genau sah das Programm denn aus? Was habt ihr gemacht?

 Hatun: Anfangs natürlich Kennenlernspiele, um die Kinder zu einer Gruppe zu bilden. Dann hatten wir verschiedene Programmpunkte, die wir am Wochenende intensiv behandelt haben - was der Qurandas gesegnete Buch des Islams; wörtlich: „die Rezitation“, „das oft Gelesene“; das Vorgetragene; die Lesung; der Vortrag; das von Allah an Seinen Gesandten Muhammad (saw) offenbarte Buch in arabischer Sprache zur Freundschaft sagt und was man in den Hadithen (Überlieferungen des Propheten) dazu findet. Außerdem haben wir ihnen eine Geschichte gegeben, die sie in einem Theaterstück selbstständig zu Ende führen sollten. Wir haben auch eine Collage erstellt mit den positiven und negativen Seiten einer Freundschaft. Außerhalb dieses Inputs  haben wir passend zur Thematik auch viel gespielt. Insgesamt gab es viel Freizeit, auch draußen. Was den Kindern sehr viel Spaß gemacht hat, war das gemeinsame Kochen: eine Gruppe ging einkaufen, die andere machte Salat, wir haben gemeinsam den Tisch gedeckt. Das Essen selbstständig zu machen fanden sie richtig toll.

 
 

 Red.:  Wie war die Zusammensetzung der Gruppe?

 Hatun: Normalerweise richtet sich der JuniorClub an Acht- bis Zwölfjährige. Wir haben sehr viele Anfragen für jüngere bekommen, aber es war schwierig ein so großes Spektrum zusammen zu betreuen. Der Unterschied zwischen einem Acht- und einem Zwölfjährigen ist oft sehr groß, so sind auch die Interessen und die Konzentrationsfähigkeit verschieden. Also haben wir versucht bei manchen Punkten Gruppen mit Gleichaltrigen aufzuteilen.

 

 Red.:  Wie war das Feedback der Eltern und der Kinder?

 Hatun: Wir waren vom Feedback der Eltern sehr positiv überrascht. Wir dachten, wir müssten erst einige Treffen abwarten, bis sie sehen, dass unsere Arbeit Wurzeln schlägt, bevor wir gutes Feedback bekommen, aber ganz im Gegenteil, die Eltern waren über das Angebot sehr froh und fanden auch die Arbeit der MJD an sich sehr gut. Sie hätten nicht erwartet, dass so viel Arbeit dahintersteckt.  Manche wussten zwar, dass es die MJD gibt und auch ungefähr, was sie macht, aber über das Maß an verschiedener Arbeit waren sie überrascht. Auch haben einige Eltern direkt von Veränderungen bei den Kindern berichtet.

Den Kindern hat es ganz offensichtlich sehr viel Spaß gemacht, sie waren sehr offen für das Programm und haben sich über viele Kleinigkeiten sehr gefreut. Besonders gut fanden sie, dass sie selber so aktiv mitmachen durften.

 

 Red.:  Gab es auch Negatives?

 Hatun: Nicht wirklich. Natürlich sind einem Kleinigkeiten aufgefallen, die man beim nächsten Mal besser machen kann, aber etwas wirklich erwähnenswertes war nicht dabei. Alhamdulillahalles Lob gebührt Allah; „Alhamdulillâh“ zu sagen bedeutet, am Ende jeder Sache Allah zu danken!

 

 Red.:  Was sind die Erwartungen/Hoffnungen für die Zukunft?

 Hatun: Wir wünschen uns, dass sie gerne Teil der muslimischen Gemeinschaft sind, indem sie mehr über den Islam lernen und schon früh die Bedeutung von sozialem Engagement lernen. Dann, als längerfristiges Ziel möchten wir sie frühzeitig an die islamische Arbeit heranführen. Oft hört man, dass die Jugendlichen zu spät anfangen aktiv zu werden und dass wir gerade auf Brüderseite jüngere Geschwister brauchen. Das wollen wir durch Lokalkreise schaffen, aber auch durch den JuniorClub.

 

 Red.:  Hast du noch ein Anliegen?

 Hatun: Eine Bitte. Viele Eltern fragen nach einem solchen Angebot für ihre Söhne und ich möchte die Brüder bitten, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Wie gesagt ist das für unser längerfristiges Ziel, später auch mehr Brüder schon früher dabeizuhaben sehr wichtig, und die Anfrage ist groß. Natürlich brauchen wir auch noch Schwestern. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Potential und Talent die Kinder haben, die eine kann super zeichnen, die andere ist sogar beim Kinderradio dabei, es wäre echt schade, das nicht zu fördern. Also meine Bitte: meldet euch und helft.

 Red: Vielen Dank, Hatun!

 Du möchtest helfen? Dann schreibe eine Mail an: juniorclub@mjd-net.de

 

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