Helden gefunden!
Bericht über das 16. MJD-Meeting

Von Hager aus Bad Vilbel

Als hätte Gott die Gebete von den rund 1000 Teilnehmern gehört, wird es bei der Anreise wärmer und sonniger als die Tage zuvor – die Pullover umsonst mitgenommen. Es geht erst einmal etwas chaotisch zu, aber die Geschwister zeigen, wie gut der Zusammenhalt von Muslimen ist, so dass Anmeldung und Zimmerverteilung doch recht gut funktionieren.
Am ersten Tag ist noch nicht allzu viel los; ich habe also Zeit, mir mein Programm zusammenzustellen, Geschwister kennenzulernen oder einfach nur das Wetter und die Natur zu genießen. Auch wenn uns eingeschärft wurde, jede Sekunde Schlaf zu nutzen, denke ich mir doch: ich will jede Sekunde des Meetings nutzen! Wen wundert es dann, dass viele beim Fadjr-Gebet die Augen kaum offen halten können? Dennoch: Das Gebetszelt ist zum Morgen reichlich gefüllt mit motivierten Geschwistern – ein schönes Gefühl gemeinsam in den Reihen zu stehen und zu beten.
Das absolute Highlight des Samstags ist eindeutig der Vortrag „Heroes“ von Sarah Joseph, die in England das muslimische Lifestyle-Magazin „Emel“ herausgibt. In ihrem spannenden Vortrag führt sie uns vor Augen, dass Helden wie Mahatma Gandhi, Albert Einstein und Malcom X auch mal klein angefangen haben und dass ihre Taten sie zu Helden machten. Das Potential steckt also im Grund in uns allen – man muss es nur herauskitzeln, was Sarah Joseph durch ihren Vortrag schon ein wenig schafft.
Zum ersten Mal gibt es bei diesem Meeting die sogenannten „Nightsessions“, in denen vor allem die spirituelle Seite in uns durch Vorträge, Traumreisen oder Planspiele geweckt werden soll. Die Wunder des Qurandas gesegnete Buch des Islams; wörtlich: „die Rezitation“, „das oft Gelesene“; das Vorgetragene; die Lesung; der Vortrag; das von Allah an Seinen Gesandten Muhammad (saw) offenbarte Buch in arabischer Sprache, Reise nach Mekkagesegnete Stadt des Islams; Geburtsort des Gesandten Gottes Muhammad (saw), Geschichtsstunde am Lagerfeuer, Sonne und Sterne als GPS und viele andere Sessions sind im Angebot und werden mit Begeisterung von den Teilnehmern angenommen. Einzig das parallel stattfindende Fußballspiel macht den Nightsessions ernsthaft Konkurrenz, indem es vor allem die Brüder zur Leinwand, die an der Außenwand des Orgabüros angebracht ist, treibt.

Am Sonntag geht es etwas ruhiger zu; viele Geschwister entspannen bei leckerem Cocktail in der Sonne oder schießen ihre Energie beim Bogenschießen in den Wind. Und dann ist da noch der Bunte Abend: Abdullah, Abdullah und Farid von der britischen Gruppe Furssan bringen das Publikum mit coolem Getrommel und Gerappe auf Trab, ihre Versuche ein wenig Deutsch zu sprechen kommen sichtlich gut an. Aber dann heißt es auch für sie laut einem ihrer Lieder: Assalamu aleikum, und die Bühne wird frei für die wahren Helden dieses Meetings – den am Projekt „MJD macht Schule“ Beteiligten. Dass das Ziel, 26.000 Euro zu sammeln, meilenweit übertroffen wurde, bringt Bruder Nadir auf den Punkt: mehr als 55.000 Euro haben sich summiert, und Schuld daran sind verschiedenste Lokalkreise, MJ-Kurse und Eigeninitiativen der MJDler. Ja, gemeinsam ist alles möglich, alhamdulillahalles Lob gebührt Allah; „Alhamdulillâh“ zu sagen bedeutet, am Ende jeder Sache Allah zu danken! Die Euphorie ist groß, und abgerundet wird sie durch ein Theaterstück der altbewährten Gruppe „Uma Lamo“, die so ziemlich alle Vorurteile, die es gegenüber Muslimen gibt, ironisch und mit einem Augenzwinkern auf die Schippe nimmt.

Kaum hat das Meeting angefangen, ist auch schon wieder der Montag eingetroffen, einer der traurigsten des Jahres. Bei den Schwestern (und vielleicht auch bei den Brüdern) gibt es viele tränenreiche Abschiede, zumindest schauen die Brüder ziemlich betreten drein; Fotos werden gemacht, E-Mailadressen ausgetauscht
Wo sonst trifft man auf so eine wundervolle Gemeinschaft, in der niemand ausgegrenzt wird, in der man sein Akku aufladen und seine Sorgen hinter sich lassen kann?

Dieses Meeting – ja, es war unvergesslich, heroisch und lehrreich. Helden wurden gesucht, Helden wurden gefunden. Und manch einer ist nach Hause zurückgekehrt und hat sich gedacht: ich such mir jetzt einen. Oder: ich will auch einer sein! Denn: Jeder kann Held seines eigenen Alltags sein und damit die Welt ein Stückchen weiterbringen!

 

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