Muslimische Jugendliche und Gewalt
Empfang der MJD zum Thema „Jugendgewalt"

Die Stuttgarter Kulturhaus Arena wurde vergangenen Dienstagabend Schauplatz einer besonderen Begegnung. Die MJD lud zu einem offenen Gespräch zum Thema "Jugendgewalt" ein und stellte in Redebeiträgen die Probleme und mögliche Lösungsansätze aus Sicht muslimischer Jugendorganisationen vor. Der Einladung folgten zahlreiche Vertreter aller Fraktionen des baden-württembergischen Landtages, Ministerien, Behörden, sowie Vertreter christlicher und anderer Jugendverbände.

Die etwa 40 Gäste erhielten von dem Vorsitzenden der MJD, Mohammed1) der Gepriesene; der Verherrlichte; der Prophet des Islams; der Gesandte Gottes und letzter aller vom Schöpfer entsandten Propheten an alle Menschen 2) 47. Sure des Korans; 38 Verse; offenbart in Medina Nabil Abdulazim, einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Muslimischen Jugend in Deutschland e.V., ihr Engagement in der Jugendarbeit sowie dessen vorbeugenden Charakter in Bezug auf Jugendgewalt.

Der Vorsitzender des Landesjugendrings Baden-Württemberg (LJR) Berthold Frieß begeisterte mit seinem Redebeitrag „Gemeinsam gegen Jugendgewalt“ (zum kompletten Redebeitrag vom Berthold Frieß) und legte Gründe und Ursachen dar. Hierbei sprach er sich dafür aus, dass jegliche Gewalt unter Jugendlichen nur gemeinsam bekämpft werden kann. Er verdeutlichte, dass besonders Menschen, die das Gefühl haben, nicht dazuzugehören, zu Gewalt neigen. Man dürfe aber nicht den Fehler machen, die Neigung zu Gewalt von einer Nationalität oder Religion abzuleiten. Als wichtigste Ursachen für Gewalt benannte er die Fragen nach dem sozialen Status und der Bildung. Bei diesen Fragen müsse man ansetzen und eine gleichberechtigte Teilhabe sowohl in der Gesellschaft, als auch im Bildungssystem schaffen. Als weiteren zentralen Aspekt der Gewaltprävention nannte er die Eingliederung und Teilnahme von Migrantenselbstorganisationen wie die der MJD in die strukturierte Jugendarbeit. Herr Frieß beendete seine Worte mit folgendem Appell:

„Wie wäre es, wenn noch mehr Jugendorganisationen miteinander kooperierten, wenn mehr gesellschaftliche Gruppen miteinander ins Gespräch kämen, und wenn wir uns angewöhnten mindestens soviel Gutes wie Kritisches übereinander zu denken und zu reden.“ Er schloß mit mit einem Zitat unseres Bundespräsidenten Horst Köhler „Gemeinsam sind wir stark!

Diesen Gedanken griff Stefan Mappus, CDU Fraktionsvorsitzender, in der Eröffnung der Diskussionsrunde auf: „Ich bedanke mich für die Einladung und begrüße den Einsatz der MJD. Der Kontakt muss unbedingt aufrechterhalten werden, um sich weiterhin unvoreingenommen kennenzulernen.“

Den Folgebeitrag leitete Aiman Mazyek (zum kompletten Redebeitrag vom Aiman Mazyek) mit dem arabisch-islamischen Sprichwort „Die Liebe zur Heimat oder auch Vaterland ist Teil des Glaubens - hubul wattan minal iman.“, ein. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) betonte die Wichtigkeit der Verbundenheit zur deutschen Gesellschaft, nur wenn man Deutschland als die eigene Heimat anerkenne, könne man sich mit ihr identifizieren und sich zur Gesellschaft hin wenden. Desweiteren ging er aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die kritische Frage ein: „Ist der Islamwörtlich: „heil sein“, „unversehrt sein“, „Unterwerfung“, „Gottergebenheit“; die Ergebung in Gottes Willen; die Bezeichnung der von Gott für den Menschen vorgesehenen Lebensweise der friedvollen Hingabe also bei uns angekommen?“ Man könne nicht von der Hand weisen, dass Gewalt unter muslimischen Jugendlichen existiere; fühlten sich doch nach HEITMEYER über 40 % der Deutschen von Muslimen belästigt. Es darf aber nicht der Fehler gemacht werden, das falsche Verhalten mancher Jugendlicher auf ihre Religion zurückzuführen. Denn der Korandas gesegnete Buch des Islams; wörtlich: „die Rezitation“, „das oft Gelesene“; das Vorgetragene; die Lesung; der Vortrag; das von Allah an Seinen Gesandten Muhammad (saw) offenbarte Buch in arabischer Sprache lehre den Menschen ein gewaltfreies Leben und die Achtung des Menschenlebens als oberstes Gut. So lehrte bereits der Prophet sasAbkürzung für „sallallâhu alajhi wa sallam“ („Der Friede Allahs sei auf ihm“); Bei der Nennung des Namens des Gesandten Gottes Muhammad (sas) sprechen die Muslime diesen oder einen ähnlichen Segenswunsch aus. (Friede und Segen seien mit ihm): „Ein gläubiger Muslim ist der, von dem die Menschen in Sicherheit sind“

FDP Landtagsabgeordneter Hagen Kluck bekräftigte, dass „Integration keine Einbahnstraße“ sei und das Menschen nicht nach Herkunft oder Religion beurteilt werden dürften, sondern danach, inwieweit sie auf dem Boden unserer Verfassung stehen.

Die Diskussion einleitend stellte Mohammed N. Abdulazim die grundlegenden Aspekte der Jugendarbeit innerhalb der MJD vor und unterstrich dafür die Anerkennung einer deutsch-islamischen Identität, die Vereinbarkeit von Islam und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sowie die Partizipation innerhalb der Gesellschaft.

Diese Vorgehensweise wurde im Besonderen von SPD Landtagsabgeordnetem Prof. Kaufmann begrüßt der „die Beherrschung der deutschen Sprache“ und die Chancengleichheit bei Bildung und Ausbildung als Notwendigkeit für eine gelingende Integration hervorhob. Siegfried Lehman, jugendpolitischer Sprecher der GRÜNEN, sprach sich insbesondere für die Anerkennung einer deutsch-islamischen Identität aus und dankte für diesen Beitrag der MJD.

Währende des Buffets folten weitere fruchtbaren Diskussionen. Der Austausch und das Kennenlernen wurden in intensiven Gesprächen bis zum Ausklang des erfolgreichen Abends weitergeführt.

 

Hier gehts zur Rede von Berthold Friess

Hier gehts zur Rede von Aiman Mazyek