Rassismus geht uns alle etwas an!
Interview mit Schwester Dunya zu ENAR

Die MJD e.V. versteht sich als ein Teil der deutschen Gesellschaft und legt großen Wert auf soziales Engagement. So ist die MJD zum Beispiel Mitglied beim Netzwerk gegen Rassismus (NgR). Dieses ist weiter vernetzt auf Europäischer Ebene mit dem „European Network against Racism" (ENAR). Der Stellvertreter für Deutschland ist Andreas Hierionymus und seine Stellvertreterin ist Schwester Dunya, mit der die Redaktion ein Interview geführt hat.

Redaktion: Was ist ENAR?

Dunya: ENAR ist ein europaweiter Zusammenschluss von ca. 600 unabhängigen Initiativen, Vereinen und Verbänden. Die deutsche Zweigstelle heißt Netzwerk gegen Rassismus (NgR).Vertreten sind Organisationen aus der Antirassismusarbeit, Mi­granten-, Wohlfahrtsorganisationen, Kirchen und Institute. Ziel ist, gemeinsam für eine demokra­tische Wertorientierung einzutreten, sich gegen eine rassistische Vorurteile unterstützende Politik einzusetzen und sich gegenseitig in dieser Arbeit zu unterstützen. Das Netz erarbeitet etwa gemeinsame Positionen zu Gesetzesvorhaben wie das Zuwanderungs- und An­tidiskriminierungsgesetz. 

Dunya: Wie der Name schon sagt ist ENAR europaweit vertreten. In jederGesellschaftgibt es Diskriminierung, und es ist sehr wichtig darauf aufmerksam zu machen. Dank der Vernetzung der EU-Länder bietet die „ENAR" den Mitgliedern die Möglichkeit sich mit Teilnehmern aus anderen Ländern auszutauschen. Mit Berichten wie dem „Shadow-Report"sorgen sie dafür, dass das Thema Rassismus nicht an Aktualität verliert. Der Shadow-Report ist eine Zusammenstellung von Berichten der einzelnen Mitglieder von ENAR über jegliche Art von rassistischen Vorfällen in ihren Ländern, die anderweitig nicht erfasst werden. Diese Datenlöcher versuchen die jährlichen Shadow-Reports zu füllen. Es ist wichtig die  Bevölkerung und vor allem Politiker mit den vorhandenen Problemen zu konfrontieren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Migration stets als vorübergehendes Problem gese­hen. Dadurch verfestigte sich eine Kultur des Wegschauens und der Ignoranz beim Thema Rassismus. Und das gilt es zu ändern. Die Shadow Reports sind dafür ein gutes Mittel. Der Shadow-Report 2008 wurde erst vor kurzem veröffentlicht.

Red.:Was genau machst du als Stellvertreterin für Deutschland, was sind deine Aufgaben?

Dunya: ENAR organisiert diverse Seminare, die die Mitglieder aus allen EU- Ländern besuchen können. An diesen nehme ich als Repräsentantin von Deutschland und der MJD als Mitgliedsorganisation des Netzwerks teil. Meine Aufgabe ist es, das, was ich auf diesen Seminaren erfahre, weiterzugeben und NgR dort zu vertreten. Im Moment bin ich noch dabei mich zurechtzufinden , denn ich bin noch nicht allzu lang dabei.

Red.: Wie können wir uns ein solches Seminar vorstellen?

Dunya: Die Mitglieder werden eingeladen und können sich verschiedene Vorträge über Rassismus anhören. Etwa die psychologischen Begebenheiten, die familiäre Erziehung und andere Effekte, die Rassismus hervorrufen können. Sie erhalten Bücher und Broschüren über das Thema, erarbeiten gemeinsam Lösungsvorschläge und Anregungen, um dieses Wissen in ihrem Land weiterzuvermitteln und aktiv gegen Diskriminierung arbeiten zu können.

Red.: Was ist das konkrete Ziel dieser Veranstaltungen?

Dunya: Das Ziel ist es, diese wichtigen Informationen an einzelne und Gruppen weiterzugeben und sie dazu anzuhalten diese Informationen ebenfalls weiterzugeben. Somit soll eine breite Masse erreicht werden.  Denn nur so kann man ein starkes Netzwerk aufbauen und wirksam gegen Rassismus vorgehen. Außerdem versucht ENAR konkret durch diese Seminare Expertise zu sammeln und dann an die EU weiterzugeben. Letztendlich ist ENAR wie ein Schirm für viele nationale Organisationen auf EU Ebene.

Red.: Wie der Name schon sagt ist diese Organisation in den verschiedenen EU-Ländern vertreten. Gibt es einen Hauptsitz, und wie finanziert sich diese Organisation?

Dunya: Der Hauptsitz von ENAR befindet sich in Brüssel. Was die Finanzierung angeht, ist ENAR eine absolut ehrenamtliche Organisation, die von Mitgliederzahlungen und Fördergeldern lebt.

Red.: Was hat dich persönlich dazu bewegt dich bei der ENAR aktiv einzubringen und wie ist das bei anderen Mitgliedern?

Dunya: Es ist kein Geheimnis, dass in Deutschland leider auch Muslime  Diskriminierung in der einen oder anderen Art ausgesetzt sind. Diskriminierung geht meiner Meinung jeden etwas an, egal welcher Religion oder Ethnie er angehört. Es gibt so viele Arten von Diskriminierung, sei es wegen des religiösen oder dem ethnischen Hintergrundes eines Menschen oder wegen seines Geschlechts. Deshalb war es mir persönlich wichtig, etwas dazu beizutragen, den Rassismus in Deutschland zu bekämpfen. Vor allem war ich positiv überrascht von der Atmosphäre der Seminare. Ich konnte förmlich spüren, dass ich wirklich nicht als „das Mädchen mit dem Kopftuch" sondern als Mensch angesehen werde. Der gegenseitige Respekt hat mich sehr beeindruckt und dann auch zu hören wie es anderen in ihren Ländern geht und was sie dagegen machen. Das ist ungemein motivierend, weil man sieht, das man nicht allein ist und mit den Erfahrungen der anderen wächst.  

Red.: Da Rassismus ja uns alle etwas angeht werden sich bestimmt der eine oder andere für diese Organisation interessieren. Was kann man machen, um sich bei ENAR zu engagieren?

Dunya:  Das ist ganz leicht. Jeder, der interessiert ist, kann sich bei mir melden (enar@mjd-net.de) und ich melde mich gern zurück.

Red.: Wir bedanken uns ganz herzlich bei dir, Dunya. Viel Erfolg weiterhin bei dieser wichtigen Arbeit