Der Islam als Teil der LösungSeminar über muslimische Jugendorganisationen in der ev. Akademie Loccum „Coole Muslime? Was wollen und können muslimische Jugendorganisationen zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen?“, so lautete der Titel eines Seminars, was vom 15. bis 17. Mai in der evangelischen Akademie Loccum stattfand. Mitten im Grünen, von Wildgänsen, rosa Blüten und anderen Naturphänomenen umgeben trafen sich etwa 60 Muslime und Nichtmuslime, Jugendliche und Erwachsene, um sich über die Situation von muslimischen Jugendorganisationen und deren Perspektiven auszutauschen. Bisher einmalig war eine derartige Möglichkeit mit zahlreichen muslimischen und nichtmuslimischen Jugendorganisationen zusammenzukommen und auf einer solchen Vertrauensbasis miteinander zu reden. Zu den Teilnehmern gehörten Leute der muslimischen Organisationen wie die MJD, Milli Görüs, DITIB, Lifemakers sowie dem Rat der muslimischen Studierenden und Akademiker, Wissenschaftler, Journalisten, aber auch Leute von öffentlichen oder christlichen Stellen wie dem Jobcenter, Jugendämter, der Diakonie oder dem Jugendmigrationsmigrationsdienst. Auf dem Anfangspodium hebt Bruder Hischam von der MJD- einer von fünf Diskutanten - hervor, dass sein Verein methodisch eigentlich viele Parallelen zu anderen, nicht-muslimischen Jugendvereinen aufweist. Der Unterschied sei nur die inhaltliche Ausrichtung, da stehe bei der MJD der Islam im Mittelpunkt. Saloua Mohammed stellt mit der Initiative der „Lifemakers“ ein vorbildhaftes Projekt vor. Muslimische und nichtmuslimische Jugendliche setzen sich in der Gesellschaft ganz praktisch ein, indem sie Obdachlose speisen, Altenheime besuchen oder Benefizgalen veranstalten. Die Podiumsdisussion zeigte deutlich: Innerhalb der einzelnen Organisationen sind viele Erfolge in der Jugendarbeit zu verzeichnen. Es geht stetig voran, auch wenn die muslimischen Organisationen, die sich nach außen hin öffnen, oft auf Probleme seitens der Politik, des Verfassungsschutzes oder der Medien stoßen. Oft werden vielversprechende und für die Gesellschaft und die Integration nützliche Kooperationsprojekte im Prozess niedergeschmettert, entweder weil der Kooperationspartner auf Grund des öffentlichen Drucks nicht mehr an einer Zusammenarbeit interessiert ist oder aber, weil benötigte Gelder, die zuvor beantragt wurden, nicht genehmigt werden. Diese Problematik stellte etwa Schwester Tasnim dar, die das Aktionsbündnis gegen Zwangsheirat vorstellte. Mit dem Projekt gegen Zwangsheirat wurden auch andere Projekte für/ von muslimische(n) Jugendliche(n) vorgestellt, wie etwa das „Projekt Ö“, „TANDEM“, oder die Jugendleiterausbildung im Jugendhof Vlotho. Gerade wegen der genannten Problematik wurde aber auch erkannt, dass Öffentlichkeits- und Dialogarbeit für muslimische Organisationen besonders wichtig sind. Dies wiederum gestaltet sich manchmal nicht so einfach, da man die Ressourcen sorgfältig verteilen muss. Die meisten dieser muslimischen Organisationen arbeiten zu großen Teilen ehrenamtlich, was sie von anderen religiösen Organisationen neben den vielen Gemeinsamkeiten unterscheidet. Farid Hafez von der muslimischen Jugend Österreich gewährte einen Blick über den Tellerrand. In seinem Beitrag ist deutlich geworden, dass es in Österreich für die Muslimische Jugend eine Selbstverständlichkeit ist Zuschüsse zu bekommen oder mit politischen Instanzen wie Parteien zusammenzuarbeiten, auch wenn – so wendet er ein – das Klima sich zuweilen zu verschlechtern beginnt. Neben den offiziellen Gesprächen fanden sich in den Pausen, beim Essen oder am Abend nach Programmende immer wieder bunt durchmischte Grüppchen zusammen, die sich über ihre Eindrücke austauschten, sich gegenseitig inspirierten, sich über Chancen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit austauschten und die eine oder andere konkret planten. Es waren Gespräche auf gleicher Augenhöhe, die wichtig und nötig waren – und hoffentlich bald auch auf politischer Ebene so geführt werden können. Probleme und Herausforderungen in der Arbeit mit Muslimen konnten bei dieser lobenswerten Veranstaltung offen, ehrlich und kontrovers diskutiert werden, ohne dass Vorurteile oder Verschlossenheit von der einen oder anderen Seite dies behindert hätten. Wünschenswert ist, dass eine solche Art des Austausches bald schon selbstverständlich wird, ohne auf große Hürden zu stoßen. Dass die Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft und auch in der Politik dahingehend unheimlich wichtig ist, dass Muslime und deren Organisationen ein wichtiger und auch bereichernder Teil der deutschen Gesellschaft ist – darin waren sich alle beim Abschlusspodium einig. Bruder Hischam betont: „Es sollte erkannt werden, dass der Islam Teil der Lösung, nicht Teil des Problems ist“. Wenn dies von offizieller Seite erkannt wird, kann sich eine Zusammenarbeit auch sehr konstruktiv gestalten. Eine Zusammenarbeit muss ja nicht heißen, dass alle einer Meinung sein müssen. Es wird Unverständnis immer geben, aber wichtig ist, dass man sich trotz allem zuhört und eine gemeinsame Zukunft in Angriff nimmt. Hoffen wir, dass dies ein Anstoß ist auf beiden Seiten, der muslimischen und nicht-muslimischen, zu reflektieren und aufeinander zuzugehen! |