-Eine wichtige Entscheidung?!-
Ob ich beim Brüdermeeting im Orgateam sein möchte? Klar, warum nicht, dachte ich mir, wird bestimmt cool.
Ohne eine Vorahnung zu haben drückte ich den “Antworten“-Knopf.
Hätte ich gewusst wie anstrengend es wird, hätte ich es mir nochmal überlegt. Doch ich war unwissend und so begab ich mich in unbekannte Gefilde.
Beim nächsten Freitagsgebet kam der Hauptverantwortliche des BM auf mich zu und fragte: „Ey, Imad, ich weiß, dass du gerne hilfst und so, aber Teamer zu sein ist echt nicht easy . Schaffst du das echt? Bitte übernimm dich nicht “. Unwissend wie ich war, antwortete ich mit energischem Nicken und einem lockeren Spruch.
-Die Konferenz-
-11w0d17h12min
Einige Tage später erhielt ich eine Mail mit Telefonnummer, Zeitpunkt und Konferenznummer der ersten “Telko“(Telefonkonferenz), wie es im MJ-Slang heißt.
Als der Zeitpunkt nun da war wählte ich die Nummer und hörte kurz darauf mir bekannte Stimmen.
Die wichtigsten Aufgaben waren so schnell verteilt, dass der Protokollant – das war ich - kaum mitkam.
Für alle Aufgaben, die nicht bei drei vergeben waren, meldete ich mich.
Kurze Zeit später waren dann schon zwei Stunden und die Konferenz vorbei und ich hatte mir vier, fünf Aufgaben geschnappt. Wie heißt es so schön: Hochmut kommt vor dem Fall…
-Das schlimme Wort mit “P“-
In den darauf folgenden Wochen lernte ich das Wort Prokrastination, auch bekannt als Aufschieberitis, kennen und schob die Aufgaben vor mir her als gäbe es keinen Abend.
Denn es galt die Regel: Solange theoretisch noch genug Zeit bleibt, fange ich praktisch nicht an.
Kiosk? Gehst du mal kurz nach Holland und Metro einkaufen.
Speiseplan? Muss erst in ein paar Wochen fertig sein.
Grillen? Kümmere ich vor Ort drum.
Herberge? Läuft schon nicht weg!
Einzig das Thema Werbung ließ mich in Stress geraten. Denn ich wusste, wie viel Arbeit so etwas macht. Doch nichtwissend, wo ich anfangen sollte, verdrängte ich dieses Thema und tat andere - vor allem angenehmere - Dinge.
Doch es sollte sich rächen.
-What goes around comes around-
-7w4d20h37min:
„What goes comes around“ - unter diesem Motto stand das einzige BM-“Live“-Orgatreffen für mich. Nun kam der Zeitpunkt der Rache. Der BM-Hauptverantwortliche fragte mich: „ ...Und, Imad, wie weit bist du mit dem Werbevideo? Hoffe du bist fast fertig. Das muss in den nächsten Newsletter “
„Hmm , joa, das dauert noch was, du kriegst es inschaAllahwörtlich: wenn Allah will; solange Allah zulässt; wenn man etwas zu tun beabsichtigt oder jemandem etwas verspricht, soll noch „inschâallâh“ hinzugefügt werden nächste Woche“.
„Ahh, ok, aber um die Herberge hast du dich gekümmert, oder? Ich hatte dir ja gesagt, dass die für Ostern immer schnell ausgebucht sind“
„Ja , das ist halt etwas kompliziert etwas zu finden, was zentral liegt, günstig ist und auch etwas zu bieten hat...“
Und so ging das Spiel weiter bis es (und ich) geschafft war.
Zu Hause angekommen erst einmal ein Konzept für ein Video ausdenken. „Hab ja noch eine Woche Zeit, theoretisch
hab ich ja noch genug Zeit. Morgen ist auch noch ein Tag, erst einmal eine Runde chillen also“, dachte ich bei mir.
„Nee Ich muss echt was machen“, ermahnte ich mich. „Ok, dann etwas Einfaches zum Reinkommen. Speiseplan vielleicht? Nee! Herberge Suchen? Geht klar, das mache ich!“
-5w5d20h37min:
18:07 Uhr
BM-Verantwortlicher ruft an.
Er: Hey Imad, was macht das Video?
Ich: Jaja, geht klar, das Gröbste ist schon vollbracht, ist im nächsten Newsletter drin.
Dabei habe ich gerade einmal das Konzept fertig…
...
Amir: Die Herbergen, die du mir geschickt hast sind ok. Die vom letzten Jahr ist auch dabei. Voll der Zufall, hehe!
Amir: Ok, Imad ich will dich nicht weiter aufhalten. Vergiss nicht, Speiseplan und Kioskvorschläge zu schicken.
Ich: Kioskvorschläge? (Was für Kioskvorschläge ?) Ah, ok, mach ich.
...
18:21 Uhr
Ok, Kioskvorschläge. Hmm, schnell mal gucken, was Google ausspuckt.
Ersten Link anklicken. Nee, zuviel Auswahl, ist zu teuer. Ok, dann halt kürzen.. copy+paste, und verschicken. So, das wärs fürs erste.
Jetzt kommt der dicke Fisch: DAS VIDEO!
Die nächsten Tage und Wochen nutze ich hier und da ein paar Minuten zwischen den Vorlesungen, um das bereits gedrehte Material zu bearbeiten und meine Aufgaben abzuarbeiten. Unglaublich, wie effektiv man die Zeit nutzt, wenn man nur wenig davon hat!)
-4w0d20h37min:
Der Hauptverantwortliche ruft irgendwann mittags an.
Er: Ich wollt nur mal fragen, was das Video macht
Ich: Fast fertig (tatsächlich !). Ich schick`s dir, wenn ich zu Hause bin.
Er: Ok, cool, danke. Ich weiß deine Mühen zu schätzen.
Ich: Danke, war echt nicht einfach, vor allem das Konzept und so.
Als ich am Abend ankomme, mach ich noch den letzten Feinschliff und schick`s rum. Ich bin geheilt. Mit etwas Zeitdruck bin ich die Aufschieberitis los geworden. Yeah!
-What goes around . . . (der Fall)-
…comes around. Kennen wir ja schon.
Mein Prokrastinieren sollte sich ein weiteres Mal rächen.
Ergebnis aus mehreren Emails und Telefonaten.
Video: Voller Fehler (ungleichmäßiger Ton, zu wenig BM-Fotos etc.)
Speiseplan: nicht ausreichend durchdacht.
Kioskvorschläge: czu teuer, zu viel Süßes zu wenig Salziges...
Herberge: ist ok (alhamdulillahalles Lob gebührt Allah; „Alhamdulillâh“ zu sagen bedeutet, am Ende jeder Sache Allah zu danken, das habe ich gebraucht)
„Hätte ich nicht alles aufgeschoben, hätte ich mir Zeit lassen können und wäre sogar schneller gewesen.“, denke ich
Schneller trotz mehr Zeit? Klingt komisch, ist aber so.
Denn:langsam ist präzise und präzise ist schnell
-Der Countdown beginnt-
-1w4d4h48min
Naja, der Hauptverantwortliche hatte mich ja gewarnt.
Eigentlich selber Schuld. Also - nachbessern. Na toll, nur noch elf Tage bis zum BM. Mit dem Video wird’s knapp.
-1w0d0h0min
Nach mehreren Änderungen des Videos haben wir uns entschlossen, das Video nicht in den Newsletter zu setzen, sondern es beim BM in einer Woche laufen zu lassen. Habe noch viel zu tun.
-1d8h23min:
Morgen beginnt das BM!
Anders als die Teilnehmer reisen wir, die Orgas, schon einen Tag vorher an.
Also noch schnell die Taschen packen- bin extra früh aufgestanden.
Dann noch mit jemandem aus dem Team in Holland einkaufen.
Abfahrt ca. 19:30h, Ankunft ca. 23:50h. Dazwischen gefühlte 15 Mal umsteigen, inkl. Anschluss fast verpassen…
-13h43min:
Ich fange an den Kiosk einzurichten.
Zusätzlich zu dem, was wir gekauft haben, bekommen wir noch Ware von einem Bruder.
Wie sich später zeigt, hat sich sein Aufwand gelohnt.
Schnell noch Getränke in den Kühlschrank, Waffelteig ansetzen und ab in die Kiste.
Morgen wird die Herberge gerockt…
-Ready to rumble!-
-0d3h19min:
Fast fertig.Schnell noch die letzten Vorbereitungen treffen wie Anlage aufbauen,dann kanns los gehen.
-0w0d0h1min:
Jetzt geht’s los !
+0d3h24min:
Würde gern weiter dem Bosnien-Vortrag zuhören.
Aber muss jetzt in den Kiosk. Naja, hab jetzt zumindest meine Ruhe.
+0d4h37min:
Wir haben kurz vor 21h und gleich ist Grillen angesagt!
Haben den Grill schon pflichtbewusst von Fettresten befreit und angezündet.
Mekkagesegnete Stadt des Islams; Geburtsort des Gesandten Gottes Muhammad (saw)-Food Würste kommen gleich drauf, Gurkensalat ist auch schon fertig und Brot wird bei Bedarf geschnitten. Das war`s!
+0d8h7min:
War das stressig.
Wie sollte es anders sein, natürlich hatte ich was vergessen, oder nicht richtig geplant. Beim Grillen.
Glücklicherweise wurde ich bei der Oga-Sitzung einigermaßen verschont.
Weil ich zum ersten Mal in der Orga bin, weil ich noch nie 240 Mäuler (Heranwachsende zählen doppelt) mit Grillgut stopfen musste, weil ich, weil ich, weil ich . . . Das Positive daran ist, dass ich aus den Fehlern lernen kann.
+1d2h7min:
Heute ging`s besser.
Der Kiosk macht sich ganz gut.
Eigentlich müsste ich mir jemanden zur Seite stellen, der mir hilft, aber ich möchte irgendwie immer alles unter Kontrolle haben.
-Ruh Tine !-
+0d21h20min:
Das Übliche.Waffelteig angesetzt, Kühlschrank aufgefüllt und Kiosk aufgeräumt, es lebe die Routine.
+1d7h15min:
So langsam bekomme ich . . . Routine,
Habe es sogar hingekriegt den Tafsir-Vortrag fast komplett zu hören.
Gleich geht’s zum Aussetzen. Das wird ein Spaß!
Irgendwann zwischen Samstag und Sonntag:
Unglaublich kaputt, aber zufrieden
Hab mir meinen eh schon lädierten Knöchel verstaucht. Aber ich kann schlecht mitten im Wald stehen bleiben.
Außerdem wollen ein paar Jungs was aus dem Kiosk (hätten die wohl gern).
+1d14h55min:
Meine Gruppe ist erst gegen 5:30h in der Herberge angekommen.
In 4h muss ich zum Kanufahren aufstehen
+1d23h22min:
Verpennt.
War eigentlich klar, dass ich nach dieser Qual etwas länger schlafe.
Bin aber nicht der einzige, die meisten haben verschlafen.
+2d8h25min:
War alles ganz chillig heute. Ich: chillig, die Jungs: chillig, Hausmeister: ultra chillig.
Jetzt erst einmal schlafen und dann geht es morgen Mittag wieder ab nach Hause.
+2d18h0min:
Hab schon mal angefangen den Kiosk aufzuräumen. Der Ausverkauf und die Jungs sind sehr hilfreich.
Der Umsatz ist soweit akzeptabel. Besser als letztes Jahr, die MJ wird nicht reich, ist aber recht passabel.
+3d1h32min:
Gleich geht’s nach Hause.
Mal wieder geschafft. Ich danke Allah, dass alles mehr oder weniger geklappt hat – alhamdulillah!
-Epi-Prolog:-
Auf der Heimfahrt fragt mich der Hauptverantwortliche, ob ich nächstes Jahr wieder im Orga-Team dabei sein möchte.
„Ich? Sicher, dass Ihr mich dabei haben wollt. Hmm warum nicht?
War auf jeden ne coole Erfahrung, an der ich gewachsen bin, manage jetzt meine Zeit besser, und bin jetzt Grillmaster of the Universe. . .“ Wir fahren in den Sonnenschein und alles ist gut – fürs erste.
to be continued . . .
P.S.: Dieser Artikel wurde 10 Stunden vor Abgabetermin zu Ende geschrieben (so viel zum Zeitmanagement)





