Vom 31.Oktober bis zum 6.November 2011, hieß es für Mitglieder der MJD „Dzien Dobry Polska“. In Kooperation mit dem Bezirksjugendwerk der AWO, nahmen 22 Personen unterschiedlicher Herkunft und Religion, an der Gedenkstättenfahrt zum Arbeits- und Vernichtungslager in Auschwitz, teil.
Die Reise begann am Dortmunder Flughafen an dem sich die meisten Teilnehmer das erste Mal begegneten. Eine Stunde später landete das Flugzeug am Flughafen Kattowitz in Polen.
Während des Transfers vom Flughafen zur Unterkunft, in der die Gruppe untergebracht werden sollte, nutzten einige Teilnehmer die Chance sich auszutauschen, gemeinsame Interessen zu entdecken und sich einen ersten Eindruck über die Mitreisenden zu verschaffen.
Am Hostel angekommen, bezogen wir unsere Zimmer und starteten unsere gemeinsame Woche mit einer Kennenlernrunde und einem anschließenden Abendessen in einem Restaurant.
Der nächste Tag wurde für diverse Workshops genutzt um die Teilnehmer auf einen gemeinsamen Wissenstand zu bringen. Dabei wurde zunächst das Thema „Judentum“ in drei unterschiedliche Unterthemen geordnet und auf drei Gruppen verteilt. Anschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt und offene Fragen geklärt.
Da aber auch sehr viel Wert auf die Freizeit gelegt wurde, hatten wir die Möglichkeit die nahe gelegene Innenstadt Krakaus zu besichtigen. Dort sahen wir zum Beispiel die weltbekannte Marienkirche, welche unteranderem ein Wahrzeichen Krakaus darstellt oder auch die Krakauer Tuchhallen die im Mittelalter von König Kasimir dem Großen errichtet wurden.
Die beiden darauf folgenden Tage wurden für die Fahrten in die Konzentrationslager von Auschwitz sowie Auschwitz-Birkenau reserviert.
Früh morgens um 9:00 Uhr, wurden wir zu den Konzentrationslagern gefahren. Mit gemischten Gefühlen kamen wir an den Orten an, an denen insgesamt 1,3 Millionen Menschen, kaltblütig und systematisch von Faschisten ermordet wurden. An beiden Tagen wurden wir von einem Guide durch die Vernichtungslager geführt und mit verschiedenen Informationen, zu den damaligen Lebens- und Arbeitsverhältnissen der Opfer, versorgt. Für die meisten von uns waren die Bilder und Geschichten unerklärlich, teilweise nicht nachzuvollziehen.
Bemerkenswert war, dass jeder Teilnehmer, ganz gleich welcher Religion oder Herkunft, Mitgefühl gezeigt hat und sich mit den Menschen der damaligen Zeit identifizieren konnte. Gekrönt wurde die Führung mit einer Gedenkminute für die Opfer des Holocaust. Dadurch haben Muslime und Christen gezeigt, dass sie trotz verschiedener Ansichten, friedlich und gemeinschaftlich miteinander leben und dem Antisemitismus die kalte Schulter zeigen können.
An beiden Tagen fanden Reflexionsrunden statt, an denen jeder Teilnehmer über seine Erlebnisse und Empfindungen, unter Beobachtung von Psychologiestudentin Assia, berichten konnte. Mit den unterschiedlichen Emotionen sowie Reaktionen, konnten die Betreuerinnen hochprofessionell und mit viel Verständnis umgehen. Ein anderer positiver Effekt trat zudem nach diesen hochemotionalen Gruppenreflexionen auf: Aus der anfangs bestehenden Gruppe einzelner Teilnehmer, hatte sich eine Gemeinschaft geformt, in der sich alle Teilnehmer wiederfinden und einander vertrauen konnten.
Der vorletzte Tag wurde zum einen genutzt, um die Stadt Krakau besichtigen zu können und zum anderen das jüdische Viertel in Krakau und anschließend die Emailewaren-Fabrik von Oskar Schindler zu besuchen.
Wir begannen unsere Stadtführung um 10 Uhr und suchten zunächst die Burganlage „Wawel“ auf, welche die ehemalige Residenz der polnischen Könige in Krakau darstellt. Ihre pittoreske Form gab ihr die Erscheinung einer „Drachenhöhle“. So erzählt die Legende, dass hier einst ein Drache gehaust hat, bis der Ritter Krak kam und den Drachen durch List überwand. An diesem Platz wurde dann die Stadt Krakau gegründet, der der Ritter seinen Namen gab.
Anschließend zielten wir die Tuchhallen von Krakau an, welche sich in der Mitte des Hauptmarktes befinden. Zu unserem Glück, waren die Geschäfte, die sich inmitten der Tuchhallen befinden, geöffnet. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, viele nostalgische Produkte zu erwerben.
Nach diesem aufschlussreichen Rundgang, machten wir uns auf den Weg in das nahe gelegene jüdische Viertel Krakaus.
Gemeinsam mit der Gruppenführerin, besuchten wir dann eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof, dabei mussten alle Männer, aus Respekt zum jüdischen Glauben, eine Kippa (eine Art Stoffkappe) tragen. Wir lernten viel über die jüdischen Bräuche und über die Historie des benachbarten Friedhofs auf dem viele jüdische Geistliche beerdigt wurden.
Nach der Besichtigung, gingen wir dann in ein jüdisches Restaurant um traditionell gekochtes Essen zu speisen. Interessant war zu erfahren, dass Gerichte, welche „Koscher“ zubereitet werden, auch für Muslime erlaubt sind..
Nachdem wir unsere Energievorräte wieder aufgetankt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Fabrik des Unternehmers Oskar Schindler. Dieser hatte zur Zeit des Nationalsozialismus 1200 verfolgten Juden das Leben gerettet indem er sie als Zwangsarbeiter in seiner Fabrik beschäftigte. Leider wurden die Öffnungszeiten der Fabrik geändert, sodass wir keine Gelegenheit mehr hatten eine Besichtigung zu beginnen und wieder zum Hostel laufen mussten.
Den letzten Tag konnte jeder individuell für sich nutzen, so besichtigten einige doch noch Schindlers Fabrik und andere liefen durch Krakau, um die Sehenswürdigkeiten zu betrachten.
Am letzten Abend wurde ein Restaurant für die Reisegruppe gemietet. So konnten wir ein gemeinsames Abendessen nach polnischer Art veranstalten und die vergangenen Tage Revue passieren lassen.
Am nächsten Tag traten wir die Heimreise nach Deutschland an und landeten gegen 17 Uhr am Dortmunder Flughafen.
Insgesamt war dies eine sehr erlebnisreiche Fahrt für alle Teilnehmer. Wir konnten viele neue Menschen kennenlernen und lernten auch eine Menge über uns selbst. Für die meisten Beteiligten war die Gedenkstättenfahrt ein voller Erfolg und ein unvergessliches Erlebnis für alle.
Hier noch ein interessanter Radiobeitrag über die Fahrt:
http://waymo.de/play/TcPAsH2/





