Am 30.11.2011 fand eine Podiumsdiskussion von Inssan e.V. im Rahmen der Reihe „Kreuzberg im Gespräch“ in Kooperation mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg statt. Das Thema der Diskussion war „Jugendarbeit in den Moscheen – zwischen Möglichkeiten und Anforderungen“. Neben Meho Travljanin von der bosnischen Moschee, Chalid Durmosch von der Lichtjugend, Ender Cetin von der DITIB sowie Said Jurnal von der IGMG, Béatrice Toulier vom Jugendzentrum CHIP und schließlich Monika Herrmann vom Jugendamt war auch Tasnim El-Naggar von der Muslimischen Jugend auf dem Podium.
Nach einer Auftaktrede von Franz Schulz - Bürgermeister des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und zugleich Schirmherrn der Veranstaltungsreihe, ergriff die Moderatorin und Inssan-Gründerin Lydia Nofal das Wort und bat die Podiumsteilnehmer darum, die Aktivitäten ihrer Gemeinden in der Jugendarbeit kurz vorzustellen. Deutlich wurde dadurch, dass zwar viele Gemeinden Ansätze von Jugendarbeit haben, die meisten jedoch nicht die Notwendigkeit sehen diese auszuweiten und ihren Schwerpunkt darauf zu legen. Das mag zum einen daran liegen, dass die Gemeinden meist mit vielfältigen Aufgaben betraut werden, die sie größtenteils ehrenamtlich bewältigen müssen, was an sich bereits eine große Herausforderung darstellt. Zum anderen ist dies aber auch eine Bewusstseinssache – um Energie und Zeit in die Jugendarbeit zu stecken, ist es erst einmal nötig das Potential der Jugend für die Zukunft als förderungswürdig zu erkennen. Und dies ist bei vielen Gemeinden nicht wirklich der Fall.
Eine Besonderheit stellt hier die Muslimische Jugend dar. Zum einen ist dies ja keine Gemeinde im eigentlichen Sinne, sondern ein Verein, der sich voll und ganz auf die Jugend konzentriert. Die Frage, ob muslimische Jugendliche gefördert werden sollen oder nicht, stellt sich folglich erst gar nicht. Des Weiteren haben die Jugendlichen der MJD meist ja auch schon ein Bewusstsein dafür, dass es wichtig ist sich hier und heute in Deutschland einzubringen. Ähnlich ist es auch bei der Lichtjugend, die insbesondere den Bildungsaspekt bei muslimischen Jugendlichen fördern möchte.
Dementsprechend war das Interesse der Beteiligten und Teilnehmer der Veranstaltung an einer Kooperation mit der MJD. Jugendzentren und auch das Jugendamt spielen hier eine Rolle im Sinne der Begegnung von Jugendlichen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkünfte und der Öffnung neuer Horizonte und Möglichkeiten. Jedoch – und das war ein präsentes Thema, das sich durch die Diskussion zog – scheitern Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte oft genug an der mangelnden Finanzierung, die religiösen Gemeinden und Vereinen auf Grund einer generellen Skepsis von politischer und staatlicher Seite nicht zuerkannt wird. Das führt schnell dazu, dass die muslimischen Gemeinden sich zurückziehen nach dem Motto: die wollen uns ja ohnehin nicht! Dies wiederum führt zu Vorwürfen von fehlender Kooperationsbereitschaft und Bildung von Parallelgesellschaften – ein Teufelskreis.
Dass diese Problematik in diesem Rahmen angesprochen wurde war äußerst wichtig, denn vielen war sie so noch gar nicht klar. In anschließenden persönlichen Gesprächen waren Kooperationswille und Sympathie groß, und die Gruppenarbeit, die Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenbrachte, hielt Ideen für zukünftige gemeinsame Projekte fest und ließ die Veranstaltung im positiven Sinne voller Impulse ausklingen.
Im Gegensatz zu vielen anderen „Dialogveranstaltungen“ machte sich bei den meisten Beteiligten das Gefühl breit, dass es hier nun möglich war auf einer Augenhöhe miteinander zu sprechen – ohne politisches Kalkül oder die Bevormundung von Minderheiten. Dass die Reihe „Kreuzberg im Gespräch“ noch einige andere Angebote enthält, ist daher vielversprechend und sollte auch in anderen Stadtteilen und Städten umgesetzt werden.
Mehr zur Veranstaltung beim Inforadio (ab Minute 6:25)





