Von lustigen Karusselfahrten und hoffnungslosen Choreographie-Versuchen
Die MJ-Kurs-Köln-Abschlussfahrt von Eschweiler nach Brüssel
Ihssan war Teil des MjD-Kurses Köln, dessen zwei Jahre vor kurzem leider zu Ende gingen. Sie machten ihre Abschlussfahrt nach Brüssel. Sie erzählt über ihre Erlebnisse. Aber Achtung! Wer Ironie nicht mag oder versteht, der sollte lieber die Finger hiervon lassen!
Ein ganz normaler Freitagnachmittag, ein ganz normaler Bahnhof an einem noch normaleren Haus. Genau dort trafen sich neun Mädchen vereint durch den einfachen Glauben des Islams, um drei Tage lang das Miteinander zu genießen.
Zwei dieser neun Mädchen organisierten das Ganze. Geplant waren ein Ausflug, ein Grill und natürlich viel Iman zu tanken. Die Mädchen hatten zwei Jahre lang den MJD-Kurs in Köln besucht, der vor kurzem zu Ende gegangen ist. Um sich nicht aus den Augen zu verlieren und die schöne Zeit in guter Erinnerung zu behalten, wollten sie diese gemeinsamen Jahre mit einer kleinen Reise verbinden: von Eschweiler nach Brüssel und zurück.
Der Freitagabend war ein heilloses durcheinander im Versuch, einen indischen Choreographie- Tanz zu proben. Natürlich sind nicht alle gleichsam begabt, um so einen Tanz ohne Probleme zu vollführen. Wo die einen sich pflichtbewusst nach rechts drehten, um eigentlich den Rücken der anderen zu betrachten, gab es immer wieder anstatt Rücken ein falsch nach links gedrehtes Gesichtchen. Da stellte sich natürlich die Frage: wer hatte sich falsch gedreht, und wenn bis dahin noch kein Chaos entstanden war, folgte es jetzt ganz bestimmt!
Zumindest war das Einsingen des Liedes für Schwesters Meleks Hochzeit, die den Kurs mitbetreut hatte, ohne große Probleme abgelaufen. Falsche Töne gab es trotzdem hin und wieder mal, aber im Großen und Ganzen hörte es sich am Schluss doch richtig gut an. Wir waren gewappnet!
Vielleicht sollte man hier auch schon erwähnen, was es zu essen gab, denn was ist schon ein schöner Abend ohne einen nett gefüllten Magen? Panierte Hähnchenbrust mit Spagetti und weißter Champignon-Sauce und leckerem Salat! Mmmmmh...!
Nach dem ganzen Singsang und Getanze und Gegesse sind schon einige müde auf der Couch eingeschlafen (gut, einige waren von Singapur direkt in unser MJ-Kurs-Treffen geflogen, da wundert ein Jetlag nicht), aber Ausreden gelten nun einmal in der hartgesottenen „wir schaffen es noch einen Film zu gucken“- Gesellschaft nicht. Immerhin, wir hatten auch erst ein Uhr morgens…da schafft man es noch einen Film zu gucken noch einen halben hinterher zu schieben und dann PÜNKTLICH zum Fajr gebet aufstehen. Aber das Ganze war dann doch zu viel verlangt, um dann auch noch pünktlich den Zug nach Brüssel um zehn Uhr zu erwischen. Denn den hatten wir auf alle Fälle verpasst und den zweiten fast auch… Und die nett geschmierten Brote durften leider bis zu unserer Rückkehr im Auto warten, immerhin waren die dort am besten aufgehoben und haben das Verschwinden in unseren Mündern noch etwas verschoben. Das war natürlich ärgerlich, denn keine von den Mädchen hatte Zeit gehabt zu frühstücken…
Dann, nach einer zweistündigen Zugfahrt, kamen wir in Brüssel an, die Metropole für Kopftücher, lange Oberteile und ganz viele Muslime in EINER Straße. Dort konnten sich die Mädchen richtig „austoben“!
Unserer guten Absicht zur Folge hatten wir alhamdulillahalles Lob gebührt Allah; „Alhamdulillâh“ zu sagen bedeutet, am Ende jeder Sache Allah zu danken super schönes Wetter und konnten uns dementsprechend schön verwöhnen lassen.
Absolut spektakulär war aber unser Auftritt auf dem Kinderkarrusel, denn wie kann man denn an einem Kinderkarussel vorbei ohne eine gescheite Runde drauf zu drehen?
Die erwachsenen Mädchen hatten mehr Spaß an den Pferden, Kranken- und Polizeiwagen als die kleinen Kinder, die von den Eltern regelrecht dazu überredet worden sind da drauf zu steigen. Wir waren auf dem Markt wahrlich eine Sensation, denn auf einmal wollten uns alle möglichen Leute fotografieren, einige haben vorher noch gefragt, ob sie zusammen mit uns fotografiert werden dürfen, andere haben uns Geschichten erzählt, wofür sie die Fotos benötigen – zum Beispiel für eine Masterarbeit an der Uni. Ich glaube die meisten Leute haben noch nie eine lachende kopftuchtragende Mädchengruppe gesehen. Dabei waren wir nur zwei Straßen von der besagten „muslimischen“Straße entfernt.
Der krönende Abschluss des Abends war die Nachricht, dass es zurück im Haus Coucous zum Abendessen geben würde…ein Geschenk einer Mutter der Organisatoren für die Mädchen.
Den Abend verbrachten wir dann in einfachem „Alles tut weh“ -Genörgel und an die Erinnerung wie schön und schnell der Tag vergangen ist.
Am nächsten Morgen aßen wir die nicht gegessenen Brote vom Vortag. Das war richtig appetitlich…Man muss aber immer daran denken, dass es andere Menschen gibt, die nichts zu essen haben, und schon schmeckt einem alles besser.
Während der eine Teil der Gruppe den Tanz für Meleks Hochzeit lernen durfte, haben die anderen alles für das Barbecue vorbereitet. Der Tag war auch genau optimal dafür… Sonnenschein, Garten und Wiese... einladend für ein gemütliches Miteinander… Doch leider hat das Kochen ein bisschen zu lange gedauert, und alle mussten im Eilverfahren das Essen herunterschlucken.
Und wenn alle den Zug nicht verpasst haben, dann sitzen sie alle noch im gemütlichen Miteinander im netten Ferienhäuschen am Rande der Zivilisation…