Die blauen Kacheln des Bahnüberdaches schimmern in der Nacht, „Hannover Nordstadt“ ertönt es aus den Lautsprechern. Und ich weiß ich bin angekommen. An dem Ort, an dem ich zwei Jahre zu Hause gewesen bin mit meinen geliebten MJ-KursDer MJD-Kurs ist ein Kurs, der an MJD-interessierte junge Muslime gerichtet ist und alle vier bis sechs Wochen stattfindet. Hier werden gemeinsam islamische Grundlagen erarbeitet und natürlich wird auch viel gelacht! Inzwischen gibt es mehrere Kurse im Norden und im Süden Deutschlands, für Brüder und für Schwestern. Das Angebot kann alhamdulillah stetig erweitert und verbessert werden.-Schwestern.
Doch diesmal lag etwas anderes in der Luft, der gewisse Geruch von Abschied und eine Spur von Melancholie. Aber dass dieser Kurs unser letzter sein würde versuchte ich vorerst zu verdrängen.
Nachdem alle Schwestern in unserer kleinen Wohnung versammelt waren, bereiteten wir das Abendessen vor. Anschließend richteten wir unsere kleine Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen her. Bei Kerzenschein und orientalischen, bunten Tüchern, die auf dem Boden ausgebreitet waren, ließen wir den Impuls über die zehn Tage von Dhul-Hidscha auf uns einwirken.
Wir waren so berührt, dass wir beschlossen das Wochenende fastend zu verbringen - als Gemeinschaft.
Kurze Nächte, volles Programm: Das ist nichts Neues bei der MJD, doch diesmal schien die Müdigkeit ein hartnäckigerer Feind als sonst. Aber dies war für Schwester Yasmina keine Herausforderung. Mit ihrem Tagesworkshop über die Kunst der Rhetorik vermittelte sie uns mit viel Spaß Wissen - frei nach dem Motto „ Learning by Doing“ durften wir uns selbst ausprobieren.
In der Moschee verrichteten wir unser Abendgebet und erfuhren von den Zusammenhängen der Geschichte des Kleinen Prinzen und unserer islamischen Gemeinschaft.
Das Fazit des Abends: „ Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint Exupérie)
Äußerlich gesehen konnten wir nämlich nicht unterschiedlicher sein, elf Schwestern mit acht verschiedenen Nationen im Ursprung. Die Eine doppelt so alt wie die andere, die andere doppelt so groß. Vom Bollywood- Fan, über Fußballspielerin bis hin zum Organisationstalent.
Jede Einzelne glich keiner Anderen, trotzdem sind wir zu einem Ganzen zusammengewachsen - wie ein Mauerwerk.
Dieses Mauerwerk ist meine Stütze, und während ich auf ihr entlangspaziere, schaue ich auf zwei unvergessliche Jahre zurück, die mein Leben maßgeblich gekennzeichnet haben. An der Praxis, sei es bei gemeinsamen Ausflügen, spirituellen Momenten oder gemütlichen Teerunden, durfte ich erfahren was Geschwisterlichkeit, Toleranz und die Liebe zu Allah bedeuten.
Ich danke Allah für diese Chance und diese wundervolle Zeit, die uns inschaAllahwörtlich: wenn Allah will; solange Allah zulässt; wenn man etwas zu tun beabsichtigt oder jemandem etwas verspricht, soll noch „inschâallâh“ hinzugefügt werden weiter in die aktive, islamische Arbeit tragen wird.





