Von Nour und Billal aus Berlin
Die Winterakademie liegt hinter uns. Die letzten Geschwister reisen ab, während Heba und ich im ehemaligen WAK- Café eine Partie Schach spielen. Ein wenig spüren wir noch die ausklingende Atmosphäre des Aufenthaltsraumes. Einen Tag zuvor war der Raum noch gut gefüllt: Die Schwestern spielten Ligretto, lösten das WAK-Quiz oder unterhielten sich mit ihren neuen Bekanntschaften. Die Brüder wiederum veranstalteten eine Laptop-Konferenz und zeigten sich gegenseitig lustige Videoclips.
Doch jetzt ist das Café leer und die TKMit der MJD entstand auch der Tarbiya-Kurs, der im Islam und in der MJD aktive Jugendliche zusammenbringen sollte. Tarbiya bedeutet so viel wie Entwicklung, Erziehung und bezieht sich auf die Lernkompetenzen im täglichen Leben bzw. im Alltag. Ziel der Tarbiya ist es, Schritt für Schritt an seinen Aufgaben zu wachsen und im religiösen Sinne Allah näher zu kommen.
Im Tarbiya-Kurs geht es darum den Mitgliedern zu vermitteln wie man durch vorbildliches Handeln und Sprechen zum Islam einlädt. So soll nicht nur nach außen hin das Bild des Islam, sondern auch die eigene Persönlichkeit verbessert und dies als Lebensaufgabe gesehen werden. Im Tarbiya-Kurs soll auch der persönliche Glaube gestärkt und die Teilnehmer in ihrem islamischen Verständnis und Wissen gefestigt werden.
Teil des Tarbiya-Kurses sind Geschwister, die sich in jeder Lebenslage aktiv für den Islam einsetzen oder dies noch vorhaben. Mehrere Tarbiya-Jahrgänge haben die zweijährig ablaufenden regelmäßigen Treffen schon beendet. Die Teilnehmer treffen sich alle vier bis sechs Wochen in jeweils unterschiedlichen Städten treffen und reisen dann von Kiel bis München an, kommen also aus ganz Deutschland. Teilnehmer haben eine Pause. Die einen nutzen es zum Schlafen, die anderen für den anstehenden Umzug innerhalb der Jugendherberge.
Am Abend geht es dann los. Nach dem schönen gemeinsamen Abendgebet im Veranstaltungsraum, lauschen wir der liebevollen Begrüßung von Fatima, die unter anderem unseren TK betreut und den organisatorischen Worten von Mohammed1) der Gepriesene; der Verherrlichte; der Prophet des Islams; der Gesandte Gottes und letzter aller vom Schöpfer entsandten Propheten an alle Menschen
2) 47. Sure des Korans; 38 Verse; offenbart in Medina. Am ersten Abend erwartet uns die lang herbeigesehnte Buchbesprechung.
Die freudige Nachricht: Ein gemütlicher ausklingender Wellness-Abend für die Schwestern und ein Spieleabend für die Brüder schließt sich an. Und die noch freudigere Nachricht: Am nächsten Morgen dürfen wir länger schlafen.
Am Vormittag des Silvestertages fordert Rabia uns auf, künstlerisch eine Biografieleiste zu erstellen. Neue, spannende Einblicke in das Leben der einzelnen TK Teilnehmer ist Inhalt des ganzen Tages. Von spannenden Karriereleistungen, über verwirklichte Kindheitsträume und Schülerinnen mit ehrgeizigen Zukunftsplänen, wandern wir von Biografie-Plakat zu Plakat, die die Wände des Veranstaltungsraumes schmücken.
Nach dem Abendessen versammeln wir uns vor der riesigen Leinwand und schauen gemeinsam einen Film. Nicht zu vergessen ist der Geburtstag von Heba, der wir kurzerhand zwei Kuchen und riesige Wunderkerzen besorgten.
Während die anderen Gäste der Herberge in der Silvesternacht ihr Feuerwerk in die Luft jagen, genießen wir einen leckeren Mitternachtssnack und schauen gespannt „Der Löwe aus der Wüste“. Und einige entdecken ihre Liebe zum Schach- oder UNO-Spiel.
Am Neujahrsmorgen geht es entspannt um neun Uhr mit einem Brunch weiter. Weitere interaktive Teamspiele machen den Tag spannend. Es geht in kleinen Gruppen los, im Schnee die beste Murmelbahn zu entwickeln. Während die schnellste Bahn einfach steil den Berg hinunterführt, ist die einfallsreichste, jedoch nicht unbedingt die schnellste, in ein Iglu hineingehauen.
Das große Highlight bilden am letzten Tag die Gemeinschaftsspiele, welche durch echte Profis und Kenner geleitet werden. Die Spiele offenbaren die Stärken des Einzelnen. Es zeigt sich, inwiefern diese Stärken für die Gruppe einsetzbar sind. Abenteuer, wie zu zweit über Seile balancieren, Türme aus schiefen Holzklötzen bauen oder die ganze Gruppe über ein “mooriges“ Gebiet leiten, verursachen spannende Situationen und sorgen einstweilen für großes Gelächter.
Zur Auflockerung und Entspannung gibt es zwischendurch Kaffee und Kuchen.
Nach dem Gebet und dem Essen geht es dann mit einem Vortrag von Mohammad weiter. Der Bunte Abend im Anschluss, bei dem sich die diskutierfreudigsten TKler beim „Mafiosi“-Spiel bewähren und einige Brüder mit einer lustigen Choreografie zu dem Lied „The Lion Sleeps Tonight“ für herzliche Lacher sorgen, rundet den letzten Tag der unvergesslichen TK Reise ab.
Am Abreisetag lässt man die Teilnehmer nicht einfach so nach Hause gehen. Nach einer kurzen Feedbackrunde, einem motivierenden Vortrag von Nadir und einer amüsanten Diashow von der TK Reise, müssen die Teilnehmer sich schweren Herzens voneinander trennen.
Doch keine Sorge, es dauert nicht mehr lang, bis es wieder heißt: TK6 - Ana laha!





