Zwei Jahre Reisen, Lernen, Arbeiten und Organisieren. Zwei Jahre Freundschaft, Verbundenheit und Gruppengefühl. Zwei Jahre Feedback, Verbessern und Streben. Zwei Jahre MJ-KursDer MJD-Kurs ist ein Kurs, der an MJD-interessierte junge Muslime gerichtet ist und alle vier bis sechs Wochen stattfindet. Hier werden gemeinsam islamische Grundlagen erarbeitet und natürlich wird auch viel gelacht! Inzwischen gibt es mehrere Kurse im Norden und im Süden Deutschlands, für Brüder und für Schwestern. Das Angebot kann alhamdulillah stetig erweitert und verbessert werden..
Der MJ-Kurs-Nord fuhr zum Abschluss nach Berlin. Die Entscheidung war schnell getroffenund Begeisterung mehr als genug vorhanden. Klar, um die Ecke ist das nicht unbedingt, aber für diese Stadt und für diesen Anlass lässt man sich von soein bisschen Rumreiserei nicht lumpen. Außerdem hat man ja seine Schwestern dabei.Langweilig kann´s also gar nicht werden.
Mehr oder weniger fertig kommen wir nach stundenlanger Autofahrt an. Irgendwo in Berlin. Die Stadt kommt uns, die wir ja eher Dörfler sind oder zumindest nicht an eine solche Riesenstadt gewöhnt sind, riesig vor. Wir müssen uns gegenseitig daran erinnern, immer noch Deutsch zu sprechen: "Ach ja, wir sind ja gar nicht im Ausland..."
Wir kommen also an in einer Wohnung, die uns vertrauenswürdig von Geschwistern zur Verfügung gestellt wurde, fallen uns - wie immer - mit Juchzen und Lachen gegenseitig in die Arme, und essen erst einmal. Da es nun einmal unsere Abschlussfahrt ist, konzentrieren wir uns einfach nurauf unser Zusammensein und genießen unser letztes gemeinsames Wochenende als Kurs. Aber der Rest des Wochenendes verläuft selbstverständlich nicht so entspannt.
Samstags nutzen wir vormittags noch, um heimlich den kleinen Geschenken für die Betreuer den letzten Schliff zu geben - aber dann geht´s auch los: Warum sollten wir denn auch nach Berlin fahren,um nur in einer Wohnung zu hocken? An der Bahn fällt mir ein Kiosk auf. Moment mal - GELBES Balisto? Das gibt´s bei uns nicht mal im Supermarkt! Ich hätte nie gedacht, dass ein Schokoriegel mich dermaßen aus derBahn werfen könnte, aber anscheinend schafft Berlin alles.
Zuerst kommt es zu der „sagenumwobenen“ Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen Berlins – die Sehitlik-Moschee - die uns stolz vorgestellt wird. Wir bekommen eine abschließende Erinnerung daran, nicht mit dem Ende des Kurses auch der islamischen Arbeit ein Ende zu bereiten. Natürlich werden eifrig Fotos geknipst...man muss ja all den Leuten, denen man schon Wochen vorher "Ich fahr nach Berliiihiiin!“ unter die Nase gerieben hat, hinterher auch was zeigen können...und außerdem braucht man doch selbst Erinnerungen.Von der Moschee aus gehen wir erst einmal etwas essen.
Begleitet werden wir von waschechten Berlinern, die stolz alle neugierigen Fragen beantworten.Über dem Bestaunen der Moschee haben wir das Essen hinausgezögert und werden nun von ungeduldig knurrenden Mägen erinnert. Ziemlich spät ist es schon, als wir uns auf den Weg machen, um all die anderen Punkte für diesen Tag noch durchzuziehen.
Wie könnte es anders sein bei einem Schwestern-Kurs...shoppen steht natürlich als erstes auf dem Programm. Berlin! War ja klar, dass auch das Shoppen ein noch besseres Feeling bringt. Dann gibt´s da natürlich noch die Dinge, die sein MÜSSEN. Man muss den Reichstag und das Brandenrger Tor besichtigen! Also auf. Als wir in der Schlange vor dem Eingang stehen, finde ich den Gedanken, dass wir als "Kopftuch-Gang" die Securitys vielleicht sogar ein bisschen nervös machen könnten, ziemlich amüsant. Die sind dann aber ganz locker. Berlin eben…
Ziemlich fertig kommen wir dann wieder zu Hause an. Manche plaudern noch etwas, andereschauen sich sogar noch einmal das Musical an, dass wir auf dem letzten MuMM vorgeführt haben, aber ich rolle - mit Mantel und allem Drum und Dran wohlgemerkt - mich fast sofort in meinen Schlafsack in der Küche und schlafe ein. Berlin ist einfach zu anstrengend für das Gemüt einer gelangweilten Kleinstädtlerin. Nicht, dass ich Berlin nicht jederzeit vorzöge!
Sonntag war der schönste Tag des Wochenendes. Denn da ging es wirklichnur um das letzte Zusammensein. Das Raklette wird aufgebaut, wir essen gemütlichund schauen uns vorbereitete Präsentationen der letzten zwei Jahre an. Hier und da ertönt Lachen, aber andererseits sehen wir alle auch ein wenig traurig aus,als wir uns von teilweise wirklich alten Fotos noch einmal an die vergangenen Kurstermineerinnern lassen. Schön geht es weiter. Jeder hat für jeden ein Geschenk. Die Teilnehmer für jedeneinzelnen Betreuer, die Betreuer für jeden einzelnen Teilnehmer, dann wiederum haben sich einige Geschenke für alle überlegt, so z.B. eine CD mit allem möglichen überden MJ-Kurs, einen Schlüsselanhänger mit Gruppenfoto und - das absolut außergewöhnlichste Geschenk - ein kleiner Kissenbezug für jeden. Ein kleiner, ziemlich extravagant ausschauender Kissenbezugfür all die MJ-Veranstaltungen, die uns noch bevorstehen. Diese Kissen werden den Leutenzeigen, dass uns etwas verbindet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand anderes nocheinen so ulkig gemusterten Kissenbezug besitzt. Es wurde liebevoll in meiner Kissensammlungauf dem Bett aufgenommen und da kommt es auch nicht mehr weg.
Gen Ende ist doch hier und da ein Schniefen zu hören, aber in einem sind wir uns absolut einig, auch wenn wir die zwei Jahre lang über ziemliche Kleinigkeiten wirklich lange diskutieren konnten: Das war nicht unser letzter Termin. Wir werden uns nicht so ohne Weiteres aus dem Auge verlieren. Es gibt nur diesen einen Kurs in dieser Zusammensetzung und dieser Kurs wird für uns alle immer besonders bleiben.
Auf zur nächsten MJD-Aktivität!



